Montag, 15. April 2013

Zum politischen Spektrum in Deutschland

There is no such thing as society - there are only individuals and families, lautet ein bekannter Ausspruch der verstorbenen Politikerin Margaret Thatcher.[1] Sie hebt darauf ab, dass "Gesellschaft" eine Abstraktion ist, ein blosser Begriff, den man daher nicht mit menschlichen Eigenschaften belegen sollte. Eine Gesellschaft hat zum Beispiel keine Rechte - nur einzelne Menschen haben Rechte.

Das in einer Nation manifeste und überlieferte gesellschaftliche Miteinander - die Tatsache, dass eine Nation (von lat. nasci, geboren werden, stammend, meint der Begriff also eine Herkunfts- und Schicksalsgemeinschaft) überhaupt das Wunder ihrer Existenz vollbringt - stellt dennoch einen Wert an sich dar, für den auch Opfer zu bringen sind, wenn es sein muss auch das höchste: das eigene Leben. Insbesondere stellt es ein hohes Gut der zivilisierten Gesellschaften dar, dass nicht nackte Gewalt und das Recht des Stärkeren herrschen, sondern dass jeder Bürger im Gegenteil im Genuss eines kodifizierten Rechts steht, das im Grossen und Ganzen durch den Staat gesichert wird, ihn vor Aggression und Willkür schützt und ihn in die Lage versetzt, seine eigenen Interessen frei und ungestört zu verfolgen - solange er selbst die Rechte der anderen respektiert - dies gehört zum liberalen Minimum, das heute wohl niemand missen möchte. Man personifiziert nicht die Gesellschaft - der von Frau Thatcher monierte Irrtum - wenn man z.B. für den Erhalt der eigenen Nation einen Krieg führt. So starben britische Soldaten in Thatchers Amtszeit im Krieg um die Falkland-Inseln für ihr Land. Sie opferten ihr eigenes Leben für die Erhaltung ihrer Nation im Kampf gegen einen Aggressor, der versuchte, einem Teil ihrer Bürger eine von diesen nicht gewollte Herrschaft aufzuzwingen.

Wenn eine Gesellschaft von der Demokratie zur Oligarchie degeneriert, wenn sie auf dem Weg in die Unfreiheit ist, wenn sie selbst sich den Rechtsbruch unter Verweis auf höhere Ziele oder auf eine besondere Situation herausnimmt, oder wenn grundlegende Rechte der Bürger nicht mehr garantiert werden - für westliche Gesellschaften sind dies die Freiheits-, Gleichbehandlungs- und Eigentumsrechte - ist Widerstand angesagt. Die Deutschen sind zu diesem Widerstand sogar gemäss Art. 20(4) ihres Grundgesetzes ermächtigt - ein eingebauter Schutz der Verfassung vor ihrer Aushöhlung. Auf seiner denkwürdigen Rede vor dem Bundestag erinnerte Papst Benedikt XVI. ausgerechnet an dieses Widerstandsrecht. Er zitierte zunächst Augustinus Nimm das Recht weg - was ist der Staat dann noch anderes als eine Räuberbande?, danach Origenes mit der Aussage, dass in einem Unrechtsstaat derjenige der wahrhaft Gesetzestreue sei, der Widerstand leistete, auch wenn er dabei die vom Unrechtsstaat gegebenen Gesetze breche.[2] Wir können davon ausgehen, dass der Papst, ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens, sich etwas dabei gedacht hat, uns Deutsche ausgerechnet an das Widerstandsrecht zu erinnern.

In einer freien Gesellschaft herrscht normalerweise ein offenes Diskussionsklima und ein gesunder Wettstreit der Meinungen. Keine Ansicht wird ausgegrenzt und unterdrückt - so sehr das die jeweils opponierende Kraft sich auch wünscht. Nur so ist es möglich, über jede neue Situation auch realistisch nachzudenken und eine passende Antwort zu finden. Menschen verorten sich dabei meist in bestimmten Einstellungssystemen, die sie aus der Erfahrung für besonders schlüssig halten und zur Grundlage der meisten Urteile über konkrete Sachverhalte machen. In den zeitgenössischen Gesellschaften können wir die folgenden drei politische Kräfte ausmachen:

  1. Liberalismus (im europäischen, nicht im amerikanischen Sinne). Beschränkung von staatlichem Zwang, insbesondere von Steuereinziehung (die immer die Verletzung des Grundrechts auf Eigentum und daher immer ein Kompromiss ist), auf das absolute Minimum, das gerade den weiteren Erhalt der Gesellschaft ermöglicht - nach dem Motto Less Government - More Fun!- Schlanker Staat, so wenig Gesetze wie gerade nötig. Jeder einzelne Mensch ist für sein Leben selbst verantwortlich, der Staat ist nicht für seine Probleme zuständig. Der Versuch, staatlicherseits Probleme vieler Menschen zu lösen, produziert meist noch mehr und noch umfassendere Probleme. Der Liberalismus bejaht vollumfänglich die kapitalistische Wirtschaftsweise, da sie aus dem Schutz des individuellen Eigentums geradezu automatisch hervorgeht.

  2. Etatismus Dies ist die dem Liberalismus opponierende Ansicht, die den Staatsapparat mit mehr Vollmachten zum (vermeintlichen) Wohle seine Bürger ausstatten will. Die grundlegenden Freiheiten werden dabei zwar nicht in Frage gestellt, stehen aber auch nicht im Zentrum. So wird eine kapitalistische Wirtschaftsweise zwar meist schlechtgeredet, andererseits aber billigend in Kauf genommen: Den Etatisten ist sehr wohl bewusst, dass der vom Kapitalismus erwirtschaftete Reichtum zur Finanzierung der vielen gut gemeinten Vorhaben benötigt wird.

    Den Etatismus gibt es in zwei Geschmacksrichtungen:

    1. "Nanny State." Diese Ansicht wird gemeinhin dem linken Spektrum zugeordnet. Der Staat muss demnach als Wohltäter seiner Bürger auftreten, er ist für praktisch alle ihre Probleme zuständig. Er muss durch Verbote und vor allem durch finanzielle Segnungen die Gesellschaft "verbessern".

      Welche Probleme in der Praxis besonders wichtig sind, entscheiden dabei die an der Macht befindlichen Politiker nach ihrer Laune, ihren persönlichen Präferenzen. Es gibt keine objektiven Kriterien dafür (und kann sie nicht geben).

      Der Etatismus pumpt den Katalog der menschlichen Grundrechte exzessiv auf: Zu den Freiheits- und Eigentumsrechten gesellen sich das Recht auf Arbeit, auf "menschenwürdige" Unterkunft, auf Bildung, auf Pension, auf medizinische Betreuung, auf Mindestlohn oder sogar garantiertes Grundeinkommen, auf Essen und Trinken, auf Spiel, Sport und Freizeit, auf Computer mit Internetanschluss, auf Miteigentum an den Unternehmen, für die sie als Angestellte arbeiten. Der Katalog wird beliebig erweitert. Im Prinzip ist der Staat verpflichtet, seinen Bürgern all diese "Grundrechte" zu gewährleisten - zu finanzieren durch entsprechend erhöhte Steuern.

      Welches dieser "Grundrechte" prioritär durchgesetzt wird, welches Gesetz "zum Wohl der Bürger" als erstes erlassen wird, entscheiden die gerade herrschenden Etatisten per Bauchgefühl mehr oder weniger zufällig. Da bummelt beispielsweise ein Bürgermeister mit seiner Frau durch die Stadt, und sie weist ihn auf einen übergewichtigen Jugendlichen hin, der einen XXL-Becher Coca Cola in der Hand hält: "Da müssen wir etwas machen." Und flugs überrascht dieser seine Stadt mit einem neuen XXL-Getränkeverbot, natürlich zum Schutze seiner Bürger.

    2. "Starker Staat." Auch die Konservativen sind Etatisten, wenn auch meist massvoller als ihr linker Gegenpart. Wie die Linken kritisieren sie das von "Egoismus und Raffgier geprägte" kapitalistische System, ohne es grundsätzlich abzulehnen. Die sozialistische Rede vom "Raubtierkapitalismus", den es zu bändigen gelte, leuchtet ihnen durchaus ein, nur schlagen sie ein anderes Personal für diese Bändigungsarbeiten vor - und haben etwas andere Präferenzen. So steht bei ihnen vor allem die Sicherheit der Bürger - zu schützen gegen Aggression und Rechtsbruch von innen und aussen durch Polizei und Militär - ganz oben auf der Liste. Ausserdem unterscheiden sie sich von den Linken darin, dass sie die überlieferte Kultur - das Eigene ihres Volkes - hochschätzen und keinen Zweifel daran lassen, es auch entsprechend staatlich zu fördern. Das von ihnen offerierte Personal priorisiert z.B. Massnahmen gegen Abtreibung, Gentechnik und Embryonalforschung, und fördert traditionelle Familien mit Kindern und Projekte der christlichen Kirchen.

  3. Kollektivismus Der Kollektivismus kritisiert die Massnahmen der Etatisten als zu halbherzig, als faule Kompromisse mit dem kapitalistischen System. Er lehnt die Idees eines Staates, der die Freiheits- und Eigentumsrechte seiner Bürger zu schützen habe, ab.

    Das einzelne Leben ist für den Kollektivisten kein Wert an sich: Die Sorglosigkeit im Umgang mit dem Einzelnen ist geradezu charakteristisch für ihn. Der einzelne hat nur dann eine Existenzberechtigung, wenn er seiner Gemeinschaft, der jeweils favorisierten In-Gruppe, dient: er ist nichts anderes und nicht mehr als ein Glied seiner Gemeinschaft.

    Kollektivisten kündigen die Abschaffung der freiheitlichen Verfassung an - daher kann die Toleranz für Kollektivisten nicht uneingeschränkt sein (Stichwort: "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde"). Um der Meinungsfreiheit willen soll man sie reden lassen - und zwar alle ihre Spielarten - aber es muss sichergestellt werden, dass sie nicht die Macht erringen können. Wenn sich doch ein Machtwechsel abzeichnet, ist Widerstand angesagt.

    Gegenwärtig gibt es drei Spielarten des Kollektivismus:

    1. Internationaler Sozialismus. Diese Form des Kollektivismus erreichte geschichtlich in der kurzen Zeit seines Wirkens einen gewaltigen "Body Count": Nach Schätzungen von Courtois et al. im Schwarzbuch Kommunismus fielen dem internationalen Sozialismus in allen seinen Ausprägungen rund 100 Millionen Menschen zum Opfer.[3] Die in ihrer eigenen Phantasiewelt als "Übergangsphase zur klassenlosen Gesellschaft" definierte "Diktatur des Proletariats" bevorzugt, wie der Name sagt, die Klasse der Arbeiter vor einer anderen Klasse, den (ehemaligen) "Eigentümern an Produktionsmitteln".

      Ein Privateigentum an Produktionsmitteln gibt es in der Diktatur des Proletariats nicht mehr - der Staat hat sich die Unternehmen als "vorläufiger" Sachwalter der Proletarier angeeignet - aber keine Sorge: der Staat werde dann irgendwann einmal "absterben", wenn das Bürgertum ausgestorben und die Gesellschaft eine rein proletarische geworden sei. Da es im Sozialismus keine Eigentümer an Produktionsmitteln mehr gibt, sind eigentlich nur die "ideellen Burgeois" zu bekämpfen, d.h. diejenigen Bürger des sozialistischen Staates, die nicht mit der herrschenden Doktrin einer Meinung sind.

      Intellektuelle haben immer mit dem internationalen Sozialismus geliebäugelt: sie haben sich bestehenden sozialistischen Systemen an den Hals geworfen, selbst als das Ausmass ihrer Verbrechen offenkundig wurde. Weil Ideen eben nicht nur "Überbau" sind, wie es in ihren Phantasiekonstruktionen heisst, sondern gestaltend in die Welt wirken, haben sie durch ihre Fürsprache des Sozialismus eine grosse Schuld auf sich geladen.

      Der internationale Sozialismus ist nach dem Zusammenbruch der UdSSR nicht entschärft, sondern befindet sich nur in Lauerstellung. Er wartet darauf, dass der regierende Etatismus hinreichend viel allgemeine Armut produziert hat. Da im Sozialismus Armut immer das Produkt der "Ausbeutung", der kapitalistischen Wirtschaftsweise ist, nicht aber die Folge von unsinnigen und masslosen Staatsausgaben, will er die dann Verarmenden für den Umsturz gewinnen.

    2. Islam Es mag manche überraschen, in dieser Aufzählung eine Religion vorzufinden. Der Islam ist jedoch weit mehr als eine Religion - er hat eine politische Agenda der weltweiten Expansion und der Aneignung nichtislamischer Länder, die er seit der Hedschra (622) bis heute unbeirrt verfolgt. Politischen Forderungen im Namen einer Religion sind jedoch nie durch die Religionsfreiheit gedeckt, die einen blossen Rechtsschutz des religiösen Bekenntnisses bedeutet. Konkret bedeutet das: Es darf dem Gläubigen kein Nachteil irgendeiner Art allein daraus erwachsen, dass er an Allah glaubt. Er hat jedoch kein automatisches, durch die Religionsfreiheit gedecktes Recht auf Verhüllung in der Öffentlichkeit oder im Beruf, auf gesonderte Gebetsräume, auf speziell zubereitetes Essen in den Kantinen, auf getrennten Schulunterricht - auch der Bau von Moscheen ist nicht automatisches, durch die Religionsfreiheit gesichertes Recht, sondern bedarf der Zustimmung der Bevölkerung. Vor allem wenn es, wie z.B. beim in München geplante Grossprojekt Zentrum für Islam in Europa, klare Verbindungen zu islamischem Terror gibt.

      Lassen wir einen Kenner und Fürsprecher kollektivistischer Gesellschaftssysteme zu Wort kommen: Karl Marx. In seinem Artikel über die orientalische Frage (MEW 10, S. 170) beschreibt er den Islam wie folgt:
      Der Koran und die auf ihm fussende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist 'harby', d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.
      Bei dieser Form des Kollektivismus ist die In-Gruppe also die Umma, die Gemeinschaft der an Allah Glaubenden. Alle, die nicht der Umma angehören, sind Menschen zweiter Klasse. Für alle Menschen, unabhängig von ihrem Glauben, gültige Rechte gibt es nicht. Die Goldene Regel, sonst gängiger Standard aller Religionen, existiert im Islam nicht. Es gibt nur einen Hadith, der wie eine Goldene Regel klingt (Buchari 1.1.2), der aber bewusst auf die Glaubensbrüder eingeschränkt ist, also nicht für alle Menschen gilt. Ich habe dieses System bereits in früheren Artikeln beschrieben, zuletzt vor einem Jahr in Was sind deine Werte?

      Mit dem internationalen Sozialismus teilt der Islam den universellen Anspruch - das Streben nach Weltherrschaft: Kämpft gegen sie, damit keine Verführung mehr stattfinden kann, bis sämtliche Verehrung auf Allah allein gerichtet ist. (Sure 8, Vers 39). Das einzelne Leben des Gläubigen ist für sich nichts wert, es gehört Allah, der es vom Gläubigen zusammen mit all seiner Habe in Besitz genommen hat - im Tausch gegen das Paradies, das ihm zusteht, wenn er im Namen Allahs kämpft, tötet und getötet wird (Sure 9, Vers 111).

    3. Nationaler Sozialismus ("Nazis"). Die nationale Spielart des Sozialismus ist die einzige, die in unseren Gesellschaften (und nicht nur in Deutschland) wirklich vehement bekämpft wird. Der Nazi ist das Böse schlechthin. Da gibt es nichts schönzureden, keine Frage. Ein System, das so etwas Monströses wie die systematische Ermordung von sechs Millionen Juden hervorbrachte und die ganze Welt in einen Krieg riss, gehört zu dem Finstersten, was es je auf Erden gab.

      Genauer besehen, ist der nationale Sozialismus auch nur eine Spielart des Kollektivismus. Die Staatsangestellten hatten eine besondere Kleiderordnung (braune Uniform) und waren als Parteigenossen mit Dingen wie der "Erziehung, Abhärtung und Reinigung des deutschen Volkes" befasst. Von niemandem kontrolliert, konnten sie ihren wirren Launen nach Belieben nachgehen. Mit dem Slogan "Du bist nichts, dein Volk ist alles", erwiesen sie sich als typische Kollektivisten. Die Mitglieder des von ihnen verwalteten Landes, von denen sie die grössten Opfer bis zur Preisgabe des Lebens wie selbstverständlich verlangten, hatten nur insoweit Wert und Existenzberechtigung, als sie den von ihnen postulierten und definierten "deutschen Interessen" dienten.

      Der totale Staat mit seinem Terror gegen Andersdenkende, der Überwachung der Bürger (zu deren Wohl natürlich), ist das Erschreckende: Ein solches System, einmal an der Macht, ist zu jedem möglichen Verbrechen fähig - und was konkret passiert, ist zufällig und nur den jeweiligen Marotten ihrer Funktionäre zuzuschreiben.

      Linke werden bei dieser Beschreibung empört aufschreien. Hitler habe den "Privatbesitz an Produktionsmitteln" doch bestehengelassen, daher gebe es einen himmelweiten Unterschied zum Stalinismus, Maoismus, PolPotismus usw. Das wesentliche Kriterium des Eigentumsbegriffs ist aber, dass der Inhaber frei über sein Eigentum verfügen kann. Das war aber in der Hitlerschen Kommandowirtschaft nicht der Fall, in der alles geplant und kontrolliert wurde, wie der Ökonom Ludwig von Mises im Detail dargelegt hat [4]:
      Denn der deutsche Staat, nicht der nominelle Privateigentümer, verfügte über alle wesentliche Macht an den Produktionsmitteln: der Staat bestimmte, was in welcher Menge und auf welche Art zu produzieren war und wem die Produkte zugeteilt werden sollten; er bestimmte auch, welche Preise zu verlangen, welche Gehälter zu bezahlen und welche Dividenden oder andere Einkommen den nominellen Privateigentümern zu beziehen erlaubt waren. Die Position der angeblichen Privateigentümer war im wesentlichen auf die Rolle von Empfängern staatlicher Gehälter beschränkt.
      Ausserdem müsste der empörte Linke gefragt werden: War der nationale Sozialismus also deshalb so schlimm, weil er das Eigentumsrecht beibehielt (wenigstens formal)? Waren das Schlimme am nationalen Sozialismus nicht eher seine Aggressivität nach innen und aussen, die Entmündigung und totale Kontrolle seiner Bürger, der Judenmord und der Weltkrieg, den er anzettelte? Links oder Rechts? Joseph Goebbels sagte jedenfalls klar, wes Geistes Kind er war[5]:
      Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke... Nichts ist uns verhasster als der rechtsstehende nationale Besitzbürgerblock.
      Und auch Adolf Hitlers bedauerte in einem späten Resümee, nur seine linken Rivalen liquidiert zu haben, nicht aber die politisch rechten Gegner [6]:
      Wir haben die linken Klassenkämpfer liquidiert, aber leider haben wir dabei vergessen, auch den Schlag gegen rechts zu führen. Das ist unsere grosse Unterlassungssünde.
Die Übergänge zwischen Etatismus (englisch "statism") und Kollektivismus sind von ihrer Natur her fliessend. Je stärker eine Partei für staatliche Massnahmen ist, umso mehr ist sie auch mit Gruppen verbandelt, die - im Interesse der jeweils als gut empfundenen Sache - die staatliche Herrschaft extrem ausweiten wollen.

Im Diagramm dargestellt, hatten wir in den frühen 1970er Jahren etwa das folgende Spektrum in Deutschland:



Es gab eine FDP, die – so geht die Rede – in den 70er Jahren tatsächlich einmal den Liberalismus repräsentiert haben soll. Rechts von ihr stand die CDU als eine konservative Partei, und links von ihr die SPD als Vertreterin der Sozialdemokratie.

Mittlerweile hat sich einiges verändert:



Die deutschen Parteien sind im unteren linken Quadranten unter dem Banner des europäischen Superstaats EU zusammengerückt, den sie alle vorbehaltlos unterstützen. Eine konservative Politik, die immer auch das nationale Eigeninteresse betont hat, gibt es praktisch nicht mehr. Ebensowenig könnte ein echter Liberaler jemals dem Währungskonstrukt "Euro" und der mit ihr verknüpften Verwaltung ungeheurer Finanzmittel durch EU-Politiker etwas abgewinnen. Es gibt auch andere Symptome: Keine Partei leistet der schleichenden Islamisierung Widerstand. Der einzige Kollektivismus, den alle Parteien immer wieder als die grosse Gefahr beschwören, ist der braune. Folgerichtig finden sich alle Parteien, die ehemals rechte CDU eingeschlossen, zum "Kampf gegen Rechts" (nicht Rechtsextremismus!) zusammen. Auf der anderen Seite bekennen sich die Jungorganisationen der Linken und Grünen in Plakataktionen ganz offen zum Linksextremismus ("Ich bin linksextrem").

Das liberale und das konservative Spektrum sind somit in Deutschland gegenwärtig nicht durch politische Parteien repräsentiert.-

Die neue Alternative für Deutschland (AfD) hat Liberale und Konservative in ihren Reihen, die von der monolithischen Politik der bestehenden Parteien enttäuscht sind. Sie hat vor allem die EU und den Euro im Focus. Einige andere Punkte, die ich hier beschreibe - etwa das Problem der schleichenden Islamisierung - leuchtet sie kaum aus. Erfreulich an der AfD ist aber auf jeden Fall, dass hier überhaupt einmal eine Gegenstimme laut wird - eine Gegenstimme zu einem unheimlichen Konsens, der alle aktuell regierenden Parteien zu blossen Blockparteien entwürdigt.



[1] Margaret Thatcher, Interview in der Zeitschrift Women's Own vom 31.10.1987, siehe http://briandeer.com/social/thatcher-society.htm
[2] Rede Papst Benedikts XVI. im Deutschen Bundestag am 22. September 2011 http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/gastredner/benedict/rede.html
[3] Stéphane Courtois et al: Le livre noir du communisme - Crimes, terreur, répression. Paris 1997.
[4] Nach George Reismann, Warum der Nationalsozialismus Sozialismus war und warum Sozialismus totalitär ist, http://www.kellmann-stiftung.de/index.html?/beitrag/reisman_nationalsozialismus.htm
[5] Joseph Goebbels, Der Angriff vom 6.12.1931 – zitiert aus: Radnitzky, Das verdammte 20. Jahrhundert, S. 162
[6] Adolf Hitler, 24. Februar 1945, Tagung der Reichs- und Gauleiter, zitiert aus: Rainer Zitelmann, Hitler–Selbstverständnis eines Revolutionärs, Seite 457

Kommentare :

andreassolar@gmx.de hat gesagt…

Lieber Dr. Plantiko, ich würde bei der Einordnung der Phänomene, die den Nationalsozialismus von anderen "Kollektivismen" unterschied, folgendes notieren und Ihnen damit widersprechen möchten. Weder ist der aggressive und totale Angriffskrieg eine typische Leistung, noch der systematische Rassismus mit der Überhöhung der eigenen "Rasse" und der Ausrottung der sogenannten rassisch Minderwertigen. Die vielen willigen Helfer von "rechts" störten Hitler und Goebbels wohl insofern, dass sie nicht nahtlos in den modernen nationalsozialistischen Menschentyp/Staat aufgingen, wie man auch aus den Zitaten selber recht gut erkennen kann - Sie bürsten die Zitate recht energisch in das gewünschte Argumentationsschema. Ich persönlich glaube nicht, dass eine differenzierte oder seriöse Einordnung des Nationalsozialismus mit ingesamt zweit kurzen Zitaten zu leisten ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Andreas Schmitt

Rüdiger Plantiko hat gesagt…

Lieber Herr Schmitt,

danke für Ihren Kommentar und den darin enthaltenen Einspruch. Ich behaupte ja nicht, dass alle kollektivistischen Systeme identisch sind. Auch das maoistische China unterschied sich z.B. von der UdSSR. Was mit den persönlichen Präferenzen der jeweils an der Herrschaft befindlichen Cliquen zu tun hat. Dennoch haben all diese Systeme, das NS-System eingeschlossen, gemeinsame Wesensmerkmale.

Mir ging es nur grundsätzlich darum, freiheitliche Systeme von ihren Widersachern zu kontrastieren. Zwei Zitate reichen sicher nicht, um einer Epoche grundsätzlich gerecht zu werden, das ist in einem Blog sowieso nicht möglich. Hier kann ich nur Muster, Grundtypen aufzeigen. Die Zitate zeigen aber die Nähe des sonst immer so penibel getrennten "linken" und "rechten" Kollektivismus sehr deutlich auf.

Mit freundlichem Gruss,
Ihr Rüdiger Plantiko

abejavidriera hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Plantiko,

mit Interesse habe ich die letzte Stunde auf Ihrem Blog gestöbert, insbesondere im Bereich der astrologischen Artikel. Positiv aufgefallen ist mir dabei, dass Sie ein Mensch zu sein scheinen, der durchaus in der Lage ist, seine eigene Meinung zu revidieren (so fiel mir u.a. die Diskrepanz Ihrer Aussagen zum Islam in Ihrem lesenswerten Artikel zu den großen Konjunktionen und den Ausführungen in diesem Blogeintrag auf), da er bemüht ist, seine Ansichten logisch zu begründen.

Die Mehrheit von uns meint zwar, in einem Staat mit Meinungsfreiheit zu leben, aber wenn das Schicksal einen auf bestimmte Themen stößt, entdeckt man schnell, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Man darf so lange alles sagen, wie es mit den Grundgeboten der politischen Korrektheit übereinstimmt. Ansonsten kann man in der BRD (und vielen anderen europäischen Ländern) allein wegen missliebiger Aussagen für Jahre ins Gefängnis gesperrt werden. Beginnt man also, sich mit solch einem Thema zu beschäftigen und Schritt für Schritt zu erkennen, dass es sich bei vermeintlichen Gewissheiten, die aber nie wirklich empirisch begründet werden, um durch Denkverbote geschützte Verdrehungen und Lügen handelt, dann setzt ein tiefgreifender Revisionsprozess des eigenen Weltbilds ein. Mir selbst ging es so, und wie bei Vielen in den letzten Jahren hat es mit einem genaueren Blick auf den Islam begonnen.

Was Ihre Ausführungen zur jüngeren deutschen Geschichte betrifft, habe ich den Eindruck, dass es für Sie Viel zu revidieren gäbe, wenn Sie nur einmal dazu kämen, hinter den Vorhang der verordneten Meinungen zu schauen. Ich möchte dazu an diesem Ort gar nichts Konkretes sagen, da es erst einmal nötig wäre, Einiges durchzulesen, bevor man sich darüber unterhalten kann. Für den Fall, dass Sie diesem Gedanken aufgeschlossen sind, sende ich Ihnen drei Verweise, von denen aus Sie, bei gegebenem Interesse, auf Weiteres stoßen werden:

https://verbotenesarchiv.wordpress.com/2012/05/30/vorenthaltenes-geschichtswissen/

https://verbotenesarchiv.wordpress.com/2012/05/21/7-der-zweite-weltkrieg-und-die-vollige-niederwerfung-deutschlands/

https://verbotenesarchiv.wordpress.com/2013/04/26/merkel-und-der-euro-dienen-beide-der-internationalen-hochfinanz-was-sie-uber-den-eurobetrug-wissen-mussen/

Mit besten Grüßen,

ein Freund der Astrologie und der Wahrheit

Rüdiger Plantiko hat gesagt…

Lieber Wahrheitsfreund, meine Antwort wurde länger als 4096 Zeichen, daher auf "twitlonger":

http://www.twitlonger.com/show/n_1rk41po